Rückenschmerzen durch tägliche Büroarbeit im Sitzen? – Zusammenhänge zwischen Rückenhaltung und Rückenmuskelaktivität während des Sitzens bei der Arbeit.

Morl, F. and I. Bradl (2013). „Lumbar posture and muscular activity while sitting during office work.“ J Electromyogr Kinesiol 23(2): 362-368.

Wenig bekannt sind die Veränderungen der Rückenhaltung sowie der Rückenmuskulatur bei sitzender Bürotätigkeit. Dies hat nun eine Arbeitsgruppe aus Erfurt und Jena untersucht. Hintergrund der Forschungsarbeit waren die häufigen und oftmals chronischen Rückenbeschwerden bei Büroarbeitern in vorwiegend sitzender Haltung.

Ergebnisse: 82% der insgesamt gemessenen Versuchszeit bei der Arbeit fand im Sitzen statt. Nur in 5% der aufgezeichneten Zeiten fanden die Forscher eine aufrechte, stehende oder gehende „gesunde“ Körperhaltung. Die Aktivität der Rückenmuskulatur hing von der jeweiligen Tätigkeit ab. Bei ca. 30% der täglichen sitzenden Arbeitshaltung konnte sogar keine Rückenmuskelaktivitäten gemessen werden. Es konnte ein starker Zusammenhang zwischen den jeweiligen sitzenden körperlichen Aktivitäten und der Rückenhaltung gefunden werden. Je mehr die Wirbelsäule in der entspannten, nach vorne übergebeugten Haltung verweilte, desto geringer fiel die gemessene Rückenmuskelaktivität bei den Teilnehmern aus.

Schlussfolgerung: Durch die zum Teil lang anhaltende, stark reduzierte Rückenmuskelaktivität bei sitzender Tätigkeit werden alle auf die Wirbelsäule wirkenden Belastungen über den passiven Halteapparat (z.B. Bänder, Bandscheiben) getragen. Die Mehrbelastung, z.B. der Bänder, kann die Entstehung der Rückenschmerzen und Muskelverspannungen bis hin zum Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule erklären. Aber auch Beschwerden im Schulter- Nackenbereich (Verspannungen in der Halswirbelsäule, Kopfschmerzen, Schmerzen in der Nackenmuskulatur) können ihre Ursache in der Mehrbelastung des passiven Halteapparates haben.

Um die häufig bei sitzender Tätigkeit auftretenden Rückenschmerzen bereits vor dem Erscheinen verhindern zu können, ist eine stärkere und wiederholte Aktivierung der Rückenmuskeln wichtig. Hierfür sind die stehende Tätigkeit, häufige Unterbrechungen der monotonen sitzenden Tätigkeit oder die gezielte Erinnerung zur Muskelaktivierung notwendig. Es ist bekannt, dass instabile Sitze wie z.B. Gummibälle keinen Vorteil gegenüber dem normalen Bürostuhl bringen. Auch die hilfreiche Physiotherapie bietet im Bereich der Wirbelsäulengymnastik oder Rückenschule eher die Möglichkeit der Rehabilitation, als weniger der Prävention. Bereits vorhandene Rückenbeschwerden werden behandelt und gebessert, jedoch das ursächliche Problem der falschen Sitzhaltung wird oftmals nicht behoben oder in die Therapie mit einbezogen.

Die Anwendung des BACKWELL mit seiner Biofeedback basierten Erinnerung zum gesunden Sitzen, wählt hier einen anderen Ansatz. Schützt er doch vor Haltungsverfall und ist somit im Bereich der Prävention und Rehabilitation eine effektive und unauffällige Methode, die Aktivität der Rückenmuskulatur konstant zu halten und den Rücken zu „trainieren“. Die Muskulatur, als aktiver Haltungsapparat, kann so die Bänder, Bandscheiben und Gelenke schützen und gezielt ihre mit Schmerzen einhergehende Überlastung verhindern. Die Muskel-, Schulter-, Nackenverspannungen und die Rückenschmerzen nehmen ab. Gleichzeitig nehmen die Beweglichkeit der Wirbelsäule und das persönliche Wohlbefinden zu.

Über Dr. Richard Kasch

Er ist der Experte, wenn es um Rückenschmerzen geht. Dr. Kasch ist studierter und seit 2007 auch promovierter Mediziner. Bereits vor seinem Doktortitel, den er mit magna cum laude (mit großem Lob) erwarb, beschäftigte er sich im orthopädischen Bereich. Während zahlreicher Auslandsaufenthalte arbeitete er sowohl in der Forschung als er auch klinischen Tätigkeiten nachging. Ein Höhepunkt war sicher seine Teilnahme an einem Fellowship zum Thema Low Back Pain, das an einem der führenden Forschungseinrichtungen der Welt, dem George Institute in Sydney stattfand. Dr. Richard Kasch ist verheiratet und hat eine Tochter.
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Eine Antwort auf Rückenschmerzen durch tägliche Büroarbeit im Sitzen? – Zusammenhänge zwischen Rückenhaltung und Rückenmuskelaktivität während des Sitzens bei der Arbeit.

  1. gedankenkraft sagt:

    Manifest der Antiergonomen

    Rückenschmerzen und Gelenkerkrankungen sind zweifellos zu den Geißeln der so genannten zivilisieren Welt geworden und zunehmend für Arbeitsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit grundlegend anzuschuldigen.

    Wenn wir uns fragen und rückblickend betrachten für welchen Lebensstiel der menschliche Körper sich im Laufe der Evolution so überaus erfolgreich entwickelte, entstehen zwangsläufig kritische Fragen an die Segnungen unserer modernen Lebensumstände.

    F ü n f M i l l i o n e n Jahre war es als Jäger und Sammler notwendig, so wird es heute in der Ethno-Archeologie eingeschätzt, rund 15 km täglich mobil zu sein. Mit einer Mischernährung welche an den meisten Tagen wohl vegetarisch war.

    Mit dem Einzug von Ackerbau und Viehzucht vor rund 10 000 Jahren begann der Übergang zu einem gänzlich veränderten Lebensstiel. Aber wirklich dramatisch und zwar entwicklungsgeschichtlich in einem extrem kurzen Zeitraum sind die scheinbar mit exponentiellen Geschwindigkeit ablaufenden Prozesse der sich verändernden Lebens- und Arbeitswelt jetzt in der postindustriellen, agrar-industrialisierten Welt.

    Auch eine perfekte ergonomische Arbeitsplatzeinrichtung löst nicht einmal temporär den inherenten Widerspruch des sich am Arbeitsplatz ständig an der Klippe zur körperlichen Überforderung zwischen Arbeitsfähigkeit und Krankschreibung entlang schlingernden Arbeitnehmers. Wobei es zunächst sekundär ist ob es sich um eine körperliche Tätigkeit oder einen Bürojob handelt.

    Die seit über 30 Jahren erfolgreich expandierende Fitness Studio Kette Kiesser hat noch Anfang der 90-iger Jahre mit dem martialischen und gleichzeitig exclusivistischen Kernsatz „ Ein starker Rücken tut nicht weh“ geworben.

    Heute sagt Kiesser scheinbar schlicht, aber mit geradezu weiser Einsicht und visionärem Weitblick, den typischen Eigenschaften von wirklichen Wahrheiten: „Seit dem ich trainiere fällt mir alles viel leichter.“

    Natürlich kann Derjenige welcher, in bestem Einklang mit den Erkenntnissen der modernen Trainingslehre, zweimal wöchentlich aktiv und am besten in der Form von Kraftausdauer, zum Beispiel mit subjektiv kleinen Gewichten und am besten mehr als 25 Wiederholungen in kluger Mischung von Rumpf- und Extremitätenmuskulatur, oder evtl. im Schwimmverein ideal mit einem Stirnschnorchel für die physiologische Wirbelsäulenhaltung und einem impliziten Höhentrainingseffekt für Herz und Kreislauf trainiert, im Alltag problemlos mit einem nicht wirklich ergonomischen perfekten Büroarbeitsplatz zurande kommen. Da, für den „bewegten Menschen“ zum Beispiel beim „Aktenschieben“ nicht mehr ständig die Belastbarkeitsgrenze zu 100% ausgereizt wird oder gar überschritten werden muß.

    Unübersehbar und bestens belegt ist die Evidenz einer direkten Korellation von Kalorinreduktion mit längerer Lebenserwartung. Einschränkungen bei der Aufnahme von tierischem Protein in der post pubertären Lebensfase scheint durch eine Minderung der Stimulation des Wachstumshormones IGF-1 direkt eine allgemeine Resistenz gegen Arteriosklerose, Diabetes und Krebserkrankungen zu bedingen. Und diese Aussagen gelten wohl für sämtliche tierischen Spezien.

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