Lassen sich durch Sitz- Steharbeitsplätze die sitzenden Arbeitszeiten und damit einhergehende Rückenschmerzen reduzieren?

Alkhajah, T. A., et al. (2012). „Sit-stand workstations: a pilot intervention to reduce office sitting time.“ Am J Prev Med 43(3): 298-303.

Rückenschmerzen durch falsches Sitzen

Die richtige Körperhaltung am Arbeitsplatz, häufig vor dem Computerbildschirm, spielt insbesondere bei langer sitzender Tätigkeit eine entscheidende Rolle. Die aufrechte, stehende Körperhaltung aktiviert die Rückenmuskulatur und ist für den Menschen evolutionär vorgesehen, kamen doch die vorwiegend sitzenden Arbeitstätigkeiten erst in den letzten 100 Jahren auf und trugen erheblich zu den heutzutage häufigen Rückenschmerzen bei. Die sitzende Körperhaltung beansprucht die Rückenmuskulatur weniger und führt zur Erschlaffung und somit häufiger zu Rückenschmerzen und schmerzhaften Beschwerden beim Sitzen. Es kommt beim falschen Sitzen (falscher Sitzhaltung) häufiger zu Muskelverhärtungen, Verspannungen und Rückenschmerzen im Lendenbereich oder aber auch im Bereich der Schultern und des Nackens.  Gerade die Verspannungen im Schulter-Nackenbereich, häufiger treten Nackenverspannungen auf, führen zu ausstrahlenden Kopfschmerzen und können, weil oftmals durch die Muskulatur bedingt, gut mit speziellen Übungen gegen Nackenschmerzen verbessert werden.

Helfen Sitz- Steharbeitsplätze um Rückenschmerzen zu vermeiden?

Durch die Verbesserung der Arbeitsplatzergonomie im Sinne von abwechselnd stehender und sitzender Tätigkeit oder unterschiedlichen Übungen am Arbeitsplatz kann die Körperhaltung verbessert und die sitzenden Zeitintervalle im Büro vermindert werden.

Für die Abwechslung vor dem PC werden Arbeitsplätze empfohlen, die stehendes und sitzendes Arbeiten zulassen. Die stärkere Aktivität der Rücken- und Bauchmuskulatur wird unterstützt und und ein Beitrag für weniger Rückenschmerzen geleistet. Die Arbeitsplätze sollen somit zu einem aktiveren Sitzen führen und das Auftreten von Rückenschmerzen, Nackenverspannungen und Muskelverspannungen verhindern.

Von dieser Grundidee ausgehend, ging eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe der Fragestellung nach, ob die ungesunde im Sitzen verbrachte Zeit reduziert werden kann. Es sollten bei zwei Versuchsgruppen die Zeit im Sitzen zwischen einem normalen Sitz Büroarbeitsplatz und einem Steh – Sitzarbeitsplatz gemessen werden.  Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass sich beim Gebrauch von Steh – Sitzarbeitsplätzen eine Reduktion der sitzenden Arbeitszeit um ca. 140 Minuten pro Tag nachweisen ließ. Die Autoren konnten letztlich einen Vorteil zum Sitzverhalten bei einem normalen Arbeitsplatz feststellen. Somit kann davon ausgegangen werden, dass ein Steh- Sitzarbeitsplatz eine signifikante Verbesserung hinsichtlich des Auftretens von Rückenschmerzen liefert.

Welche anderen Möglichkeiten gibt es, um Rückenschmerzen entgegenzuwirken?

Um Rückenschmerzen, Nackenverspannungen und Fehlhaltungen vorzubeugen, ist eine häufige Unterbrechung der monotonen sitzenden Arbeit wichtig. Das Aufstehen mehrmals pro Stunde wird empfohlen. Gleichzeitig sollte eine aufrechte Sitzhaltung angestrebt werden. Da im täglichen Arbeitsablauf diesen Empfehlungen nicht immer nachgekommen werden kann, kommt es häufig zum Haltungsverfall und einer Minderung der Muskelaktivität.

Das Biofeedbackgerät BACKWELL unterstützt den Rückenleidenden in diesem Fall, beugt aber auch schon vor dem Auftreten von Beschwerden vor, erinnert es doch, sowie sich schleichend die ungesunde Körperhaltung einstellt. So wird der Träger immer wieder diskret erinnert, sollte die gesunde Sitz- oder Stehhaltung unbewusst verlassen werden. Die Rückenmuskulatur wird somit bei der Arbeit trainiert. Gerade anfänglich zeugt der eine oder andere kleinere Muskelkater von der weitaus aktiveren Muskulatur. Im Verlauf der Anwendung ist der Muskelkater schnell rückläufig und das nun geschultere Körperempfinden übernimmt automatisch die gesundere Sitzhaltung.

Eine gute Prävention um weiterhin aktiv zu bleiben und kommenden Beschwerden vorzubeugen.

Über Dr. Richard Kasch

Er ist der Experte, wenn es um Rückenschmerzen geht. Dr. Kasch ist studierter und seit 2007 auch promovierter Mediziner. Bereits vor seinem Doktortitel, den er mit magna cum laude (mit großem Lob) erwarb, beschäftigte er sich im orthopädischen Bereich. Während zahlreicher Auslandsaufenthalte arbeitete er sowohl in der Forschung als er auch klinischen Tätigkeiten nachging. Ein Höhepunkt war sicher seine Teilnahme an einem Fellowship zum Thema Low Back Pain, das an einem der führenden Forschungseinrichtungen der Welt, dem George Institute in Sydney stattfand. Dr. Richard Kasch ist verheiratet und hat eine Tochter.
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